Die hl. 3 Könige

Gestern kam der Freund meiner Tochter und sagte so was wie: „ Die 3 Könige? Das ist doch nur ein Sternenbild!“

 

Das war jetzt mal eine durchaus interessante Aussagen. Er sagte weiter, die Sterne wären im Sternenbild Orion die 3 unheimlich hell leuchtenden Sterne die in einer Reihe stehen, das wären die!

 

Ich hab dann schnell das Google rausgeholt und nach dem Sternenhimmel zur Zeit Chisti Geburt geschaut, was doch alles in der heutigen Zeit geht! Und tatsächlich, da sind die 3 Sterne am nächtlichen Himmel zu sehen.  Sehen wirklich aus, als würden die drei Sterne Richtung Jupiter und Saturn ziehen – sehr interessant.

 

Aber wie ist das jetzt mit dem Feiertag, wenn das nur ein Sternenbild ist? Wo ist da der wahre Sinn dahinter? Könnte man doch einfach den christlichen Feiertag abschaffen, ist ja doch nicht bundeseinheitlich.

 

Die Vereinbarkeit des Feiertags bzw. des nicht-Feiertags merkt man erst, wenn man was mit den beiden Bundesländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zu schaffen hat, bzw. in dem einen wohnt und in dem anderen arbeitet. Dabei fällt ja eigentlich dieses Jahr der drei Königstag auf einen Sonntag – leider keinen Feiertag.

 

Für den Arbeitsablauf bei der Post, oder in einem anderen Unternehmen ist dies in diesem Jahr ganz gut.

 

Die Jahre zuvor blieben die Briefe ja irgendwo zwischen der Pfalz und Karlsruhe hängen und konnten deshalb nicht weiter verarbeitet werden, da eben besagter 3-Königs-Feiertag war, was bekanntlich mit der Niederlegung der Arbeitskraft einhergeht.

 

Ein Tag später welches Wunder! Mussten doppelt so viele Briefe einsortiert werden. Man nennt das auch das Wunder der heiligen 3 Könige. Doch jetzt wo’s die in der Vergangenheit gar nicht gibt – also die 3 Könige nur als Sternenbild vorhanden sind – würde der Arbeitsablauf bei den Unternehmen ja entsprechend verbessert werden, wenn wir diesen Feiertag endlich los wären, würden auch keine Briefe irgendwo liegen bleiben der stramme Ablauf (Zustellung am nächsten Tag!) wäre gesichert, denn Briefe sind wichtig, wenigstens die einfarbigen.

 

Wir sollten froh sein, dass die 3 Könige ihre Gaben persönlich dem Jesuskind überbrachten, wie wäre wohl die Geschichte ausgegangen, wenn hier die Post oder andere Dienstleister die Hände im Spiel hätte?

Na ja auf jeden Fall hätten die Kuriere schon mal Probleme mit der zustellungsfähigen Adresse gehabt. Mussten ja dem Stern folgen und der wusste ja auch noch nicht wo er stehen blieben wird.

Aber stelle man sich nur folgend Szene vor – die 3 Könige ohne die Gaben an der Krippe:

 

„Ja die Gaben“, sagt der Melchor, „weiß nicht per Post geschickt, kommen wohl doch etwas später an, na wen wundert’s, die haben jetzt während den Feiertagen ja Starkverkehr, ist doch jetzt nicht so wichtig.“

„Hast das Gold auch per Post? Ja super!!!“ sagt der Balthasar etwas verächtlich, “hätten wir’s ja gleich den Armen schenken können!“ und zieht die Augenbrauen hoch.

„Nein,“ sagte Melchor, „ich habe alles per Wertgut in der gelben Kiste mit Deckel verschickt, hier die Quittung.“ Kramt einen kleinen Quittungszettel hervor.

Jesuskind: „Das hat mir ein Kurier tatsächlich gleich gebracht, das ist hier.“ Zeigt auf eine gelbe Kiste unter der Krippe.

Kommt noch ein Kurier: „Hier haste was, bitte quittieren hier unterzeichnen, es stinkt etwas, konnten wir über die Weihnachtsfeiertage nicht in der Postfiliale liegen lassen!“

Jesuskind quittiert und öffnet: „Ach Gott, der Weihrauch. Sehr gut, das kann man an Weihnachten gut gebrauchen.“

Jesuskind schaut in die Runde.

Kaspar ganz verlegen:“ War der Kurier von mir schon da?“

„Hast du dein Geschenk  auch mit der Post geschickt?“

„Nein, ich dachte so was leichtes wie Myrrhe, kann ich kostengünstiger mit dem Kurier mit den drei Buchstaben, du weißt schon, verschicken, vom Volumen ist das Paket groß aber halt leicht, da war’s dort halt billiger.“

„Ja lieber Kaspar, aber nicht pünktlicher!“ – motzt jetzt das Jesuskind, das doch gerne langsam bevor es ins Bett und schlafen gehen muss seine Gaben hätte. Maria wird jetzt auch etwas nervös.

„Na gut, noch ein Viertelstündchen aufbleiben, dann ist aber gut, dann geht’s ohne Geschenk ins Bett“.

Betroffenes Schweigen –

 

Endlich nach weiteren 20 langen Minuten – die eine endlose Zeit sein können – der Kurierfahrer mit den 3 Buchstaben erscheint, völlig verschwitzt und mit kaputtenem Paket:

„Hab ich euch jetzt gefunden, die Adresse – die Adresse“, er muss erst mal durchatmen.

„Ganz langsam“, sagen die drei Könige, „wir haben das Jesuskind ja auch schon gefunden“

„Die Adresse war irgendwie verkehrt herum aufgeklebt. Ich war erst in Nazareth und da sagte man Maria und Josef sind hier in Bethlehem – wegen der Volkszählung – muss man erst mal darauf kommen. Aber hier habt ihr das Päckchen“, und verschwindet, ruft noch hinterher: „Hab jetzt Feierabend unterzeichne selbst – wenn’s  recht ist“.

Maria nimmt sich des kaputtene Päckchens an.

„So was sollte man nicht annehmen“, meint der sonst so schweigsame Josef –„ kaputtene Päckchen“, er zieht die Augenbrauen hoch.

„Jedenfalls ist jetzt alles komplett“, freuen sich die 3 hl. Könige, „mach auf wird die Myrrhe sein“.

Ein kaputtener Ast und orangenfarbene Harzbrocken kommt zum Vorschein.

„Ist Medizin“

„Für was soll die denn gut sein – die Myrrhe?“ fragt Maria, „ist ja doch alles kaputt an dem Zweig – den Zustelldienst kannst ja echt in die Tonne hauen, hättest mal mit der Post versendet!“

„Also die Myrrhe ist eigentlich gegen alle Schmerzen gut. Ein leckeren Tee kochen – dann kann nichts mehr passieren, hilft gegen Kopfscherzen, Völlegefühl in der Magengegend, Zahnscherzen, entspannt bei Geburten und vieles mehr….!“

Jetzt kriegt die Maria aber zuviel.

„Damit kommt ihr drei lustigen Gestalten erst nach der Geburt! Das wäre doch davor prima gewesen aber jetzt, jetzt brauche ich eigentlich Ruhe, ihr kommt mir gerade recht. und dann noch die verspäteten Pakete! Nächstes mal bitte alles pünktlich mitbringen und die Myrrhe vor der Geburt.“

Maria schmeißt die 3 Könige raus und schmeißt den dreien noch den kaputten Myrrhezweig hinterher.

Jetzt endlich will sie sich und das Jesuskind schlafen legen.

„Drüben in der Wirtschaft könnt ihr auch noch stärken bevor es wieder zurück nach Mesopotamien Babylon geht, liegt ja nicht weit weg die 20 km schafft ihr mit euren Pferden in einer Viertelstunde“, meint noch der Josef, „ und nicht wegen Maria böse sein, Frauen halt.“

Die 3 Könige trollen sich – leider ohne Trollschoppen vom Josef und Maria und dem Jesuskind.

Soweit die Geschichte der hl. 3 Könige stark verändert.

Aber klar so ein Feiertag hat auch was richtig Gutes. Können die Badener endlich wieder richtig in der Pfalz einkaufen gehen:

Ihren Kühlschrank wieder auffüllen, bzw.

langgehegte Kleiderwünsche erfüllen und

einmal so richtig einkauft in der Pfalz, das es für das ganze Jahr über reicht!

Wenn das kein Vorteil ist, naja wir Pfälzer können an solchen Tagen leider nicht einkaufen – wir müssen ja arbeiten gehen, aber alles kann man nicht haben.

Entweder Feiertag und frei oder davon überzeugt sein, dass die heiligen 3 Könige nur ein Sternenbild sind aber dafür arbeiten müssen.

 

 

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Kanzleiauflösung

Wir sind schon den ganze Zeit daran die alte Kanzlei aufzulösen, die Aktenschränke sind schon verkauft.

Heute kam ich in die Kanzlei und der Herr Rechtsanwalt Schindler tat ganz stressig.

„Schnell noch die vollen Papierkörbe raustragen, um 11:30 Uhr wollte der Vermieter Herr Graviter mit jemanden zum Besichtigungstermin kommen!“

Ich griff mir die drei Papierkörbe, die seit dem wir die Kanzlei auflösen, immer wieder voll sind und raus damit in die Papiertonnen.

Dann klingelte es schon. Ich ging zur Eingangstür und ließ einen jungen Mann rein.

Wir begrüßten uns und er sagte er hieß Herr Bovere, er käme wegen des Besichtigungstermins. Ich ließ ihn in die Kanzlei. Ob er Anwalt wäre, fragte ich ihn. Nein Softwareentwickler.

Das war doch mal was anders. Ich erzählte, dass mein Sohn in der Berufsschule das Fachabitur gemacht hatte und ob er sich vielleicht in seiner Softwareschmiede bewerben könne. Das wäre eigentlich kein Problem.

Wie es bei mir weitergeht? Ob ich schon was anders hätte?

Auf so eine Frage war ich nicht vorbereitet – die haute mich glatt vom Stuhl

„Nein, ich habe noch nichts.“

„Hätten Sie denn Lust die Administration bei uns zu machen, da wäre noch eine Lücke.“

Das Büro heißt jetzt neudeutsch Administration. Klingt auch nicht schlecht.

Diese Bewerbungssache war aber jetzt echt der Hammer: Als ich jung war habe ich Bewerbungen geschrieben ohne Ende, vielleicht an die Hunderte. Ohne Erfolg – keine Einzige und jetzt? Was ist mit der Welt los? Keinen Nachwuchs mehr? Alle schon in Rente?

„Ach“, sagte ich,“mal sehen, wäre ja interessant, mit was befasst sich ihr Unternehmen denn genau?“

„Softwareentwicklung. Wir entwickeln vorhandene Software weiter und passen diese an.“

„In welchen Bereichen?“

„Für Schulungen und Weiterbildungen.“

„Klingt ja sehr interessant! Dann haben Sie ein Start-Up-Unternehmen?“

„Ganz genau.“

Dann kam Herr Rechtsanwalt Schindler und begrüßte ihn, macht etwas Small-Talk. Es klingelte nochmals, der Vermieter Herr Graviter kam, nachdem ich die Tür geöffnet hatte, hierein.

Dem Herr Softwareentwickler Bovere wurden die Zimmer und Büros gezeigt. Dann unterhielt man sich. Es wurde darüber gesprochen, bis wann alles aufgelöst werden sollte. Dann umgarnte mich plötzlich der Vermieter Graviter.

Er hätte doch eine Immobilienfirma, die er 1980 gegründet hätte, sein Sohn würde auch mitarbeiten und ob ich schon was neues hätte? Wie ich arbeiten könnte?  Ganztags oder Halbtags? Man könnte gut bei ihm arbeiten. Seine Mitarbeiterinnen seinen jahrelang bei ihm angestellt – das sage doch schon alles!

Welchen Gehaltswunsch ich hätte?

 

Ich war innerlich so was von geplättet – echt! Hatte ich gerade einen Lauf – oder was ist los mit meinem Leben? Sollte ich vielleicht Lotto spielen?

Das  ging jetzt etwas zu schnell 2 Leute die mich einstellen wollen an einem Tag!
Der Wahnsinn!

Der Herr Softwareentwickler hatte sich schon verabschiedet. Der Vermieter Graviter meinte es käme da noch ein Rechtsanwalt – ein Herr Prof. Schönlein!

Tatsächlich klingelte es und ich machte die Tür auf. Ein alter wackeliger Mann trat ein. Irgendwie sah der mich nicht. Ich hatte das Gefühl, der sah durch mich durch. So was gibt es, macht mir nichts, manchmal kann man da sogar besser zusammenarbeiten.

Der kam also rein und dem wurden wieder nach dem üblichen Ritual die Zimmer gezeigt. „Hier das große Zimmer – also die Fenster sind richtig zu, man hört keinen Straßenlärm.“ „Ja die Decken sind hoch  – ist aber sehr gut, da kann sich der Geist der Kreativität frei entfalten.“ (Schöner Bullshit ich weiß – hört sich aber gut an. Oder kennt ihr einen besseren Vorteil wenn man hohe Decken hat!)

Als er wieder vorne in meinem Bürobereich war, drehte er sich blitzschnell um und fotografierte in meine Richtung.

„Oh, jetzt bin ich auf dem Foto darauf – und komme bestimmt ins Internet.“ meinte ich.

Nein, meinte der Anwalt,  er habe sich da schon abgesichert.

Und schnell war der, trotz seiner Wackligkeit und seines Alters schon im nächsten Zimmer und dort ebenfalls Bilder geschossen.

„Oder ich komme ins Internet und habe über den Augen so einen Balken – noch schlimmer!“ meinte ich.

„Nein, nein“, hörte ich ihn sagen, als er wieder nach vorne kam, „die Bilder sind nur zum privaten Gebrauch.“

Außerdem hätte er noch 7 andere Wohnung zur Auswahl und diese hier wäre von der Lage her auch nicht so gut und vom Parkplatzangebot ganz zu schweigen. –
Rechtsanwälte halt! Haben immer einen Trumpf in der Hinterhand und pokern, auch wenn es eigentlich nichts zu pokern gibt.

Na ja, er überlege es sich noch. – Und war schon aus der Ausgangstür.

Der Vermieter und mein Rechtsanwalt schauten sich an. Das wird wahrscheinlich nichts mit dem letzten Interessenten.

Resümee für diesen Tag: Ich war heute einmal Fotomodel und bekam in  meinen alten Tagen zwei Stellenangebote an einem Tag.

Wie war das mit dem Euro-Jackpot? Wie viel sind da drin? 90 Millionen? Sollte man doch mal spielen?

Wenn’s läuft – dann läuft’s.

Ziel: Marathon – Ziel erreicht, 21 km gerannt – habe den Halbmarathon gerockt.

Ja es ist vollbracht. Heute morgen ging’s los:

Wir sind durchgekommen! 21 km gerannt ohne einen Schritt zu laufen!

In aller Herrgottsfrühe gings los – gen Karlsruhe. Aufgedreht, fit und glücklich – meine Mutter konnte die ganze Nacht nicht richtig schlafen. Wir parkten beim Metro. Ich wusste es, bis wir an der Ziellinie waren mussten wir noch ungefähr 1 km laufen – eigentlich viel zu viel, da war man schon müde bevor man den Halbmarathon läuft. Aber erst mal ging’s eine Treppe hoch. Oben musste ich ausschnaufen, geht ja gut los. „Na, kannst noch?“ witzelte meine Mutter. – Mal wieder sehr witzig! „Nein, hier ist die Luft nur etwas dünner!“

An der Europahalle war dann die Hölle los. Eine ziemlich lange Schlange bei der Startnummernausgabe, ob die heute noch alle ihre Startnummern bekamen und rechtzeitig mitstarten konnten? – Ich hatte da meine Zweifel.  Wir waren da im Vorteil, wir hatten die Startnummern schon und hefteten diese ans T-Shirt.

Dabei fiel meiner Mutter eine Tube Gel in die Hände: „Was ist das? Sonnencreme bei diesen Temperaturen?“ Es war tatsächlich gutes Läuferwetter nicht heiß eher etwas kalt. Es nieselte, also leichter Landregen, aber ansonsten ein wenig windig und ungewöhnlich kühl.

„Nein Mama, das ist eine Creme, wenn du einen Sonnen- oder Wespenstich bekommst!“ Meine Mutter guckte komisch: “Bei dem Wetter?“ „Na ja, das kann man ja nicht wissen, wenn man den Sack für die Läufer zusammenstellt. Im übrigen haben die sicher gedacht, wer so verrückt ist und 21 oder 42 km läuft, der kann nur einen Stich haben, anders geht das nicht.“ „Hast auch wieder recht.“

Vor der Europahalle standen jede Menge Dixiklos herum, das Pipi machen wird vor dem Lauf auch zum Problem, man hat ja, wissentlich, dass man mindestens 21 km läuft und nicht viel trinken wird, ordentlich „gebechert“ und dann muss man das Wasser doch irgendwie wieder loswerden. Vorm Dixiklo jede Menge Männer.

„Sind die Toiletten auch für Mädels? Oder nur für Jungs?“ fragte ich,

der junge Mann schaute mich an: „Steht mal nicht Gender-Klo darauf!“

Ha, ha sehr witzig Jüngelchen – kein Respekt mehr vorm Alter!

Jetzt die große Diskussion, sofort die Sachen abgeben, oder noch warten? Kühl war es schon. Ich zog dann entschlossen die wärmende Überhose aus und ab damit in die Tasche. Das Abgeben der Tasche ging dann doch schneller als gedacht.

Die Zeit wollte einfach nicht rumgehen und meine Mutter sprach hier und da irgendwelche Bekannte an, waren alles gute Lauffreunde von ihr.

„Komm auf, Warmlaufen ist angesagt!“

Unterwegs sprach uns ein Mann an, Marathonlaufen wäre wie eine Geburt, meinte der. (Auf so einen Gedanken können ja nur Männer kommen!) Doch doch, und wie viele Kinder wir hätte. Meine Mutter antwortet 2 und ich sagte 3 und eigentlich wollten wir auch  nicht mehr. Aber Männer die beim Marathonlaufen Kinder bekommen? Oh nein nicht wieder das Kopfkino einschalten – das wollen wir jetzt auch gar nicht sehen. Bloß gut, der Mann ging weiter und vertiefte das Gespräch nicht. Manches wollen wir einfach nicht wissen. Und Männer glaubt es mir – Halbmarathonlaufen ist ein Klacks gegen Kinderkriegen. Ihr kennt doch den Spruch, wenn Männer Kinder bekommen würden, wäre die Menschheit schon ausgestorben. Da ist was Wahres dran.

Endlich ging es los – dachten wir jedenfalls.  Mit dabei eine Läuferin, die hat sich doch tatsächlich schwarze orthopädische Socken (ohne Füßlinge, die hat sie vorher abgeschnitten) über die Arme gezogen. „Klar,“ sagte ich, „wenn man die anhand, dann rennt man in Berlin den Marathon in gerade mal in 2 Stunden und 1 Minute.“ Sie lachte, „Genauso habe ich es mir vorgestellt!“ meinte die und erklärte uns noch kurz wie praktisch solche „alten“ Strümpfe doch sind.

Wir standen im Block C, bis wir über die Startlinie kamen waren wertvolle 4 Minuten rum. Aber die zählten ja nicht, der Chip wird aktiviert, sobald wir über die Startlinie rennen.

Wir hatten ein lässiges Lauftempo von etwas 7 Minuten darauf, konnten also noch gut erzählen. Eine Frau fiel uns auf, die in etwa unser Lauftempo hatte, aber die wir immer wieder abwechselnd überholten. Ob wir nicht zusammen laufen wollen? Ach ja das wäre nett. Also kam sie auch mit.

Dann die Strecke. Sie ging durch dunkle Unterführungen und über schwankende Brücken. Die Unterführungen waren anstrengend, sobald es auf der anderen Seite wieder hochging. Zerstreuung fand man in den lustigen Tanzdarbietungen.

Ich kommentierte etwas die Strecke: “Wir laufen jetzt durch das schöne Durlach, hier hat der Großherzog Karl, der Karlsruhe ursprünglich gründete zuerst gelebt.  In Karlsruhe stand eigentlich nur sein Lustschloss äh Jagdschloss.“

Dann ging es weiter durch Durlach. An der Fiducia vorbei.

„Hier der Hauptsponsor des Laufes die Fa. Fiducia.“ „Was machen die?“ fragte meine Mutter „Die helfen dir, bei deinen Bankgeschäften, wenn du ein Konto bei der Volks- oder Raiffeisenbank hast. z.B. du willst in Urlaub fliegen und kurz bevor dein Flieger geht, denkste:  ich ziehe mir noch schnell Geld aus dem Geldautomaten hier im Flughafen. Also Karte rein und weder Geld noch Karte kommen wieder raus, dann kannst du eine spezielle Servicenummer anrufen und kommst hier in Karlsruhe bei der Fiducia raus.“ „Toll!“, meinte meine Mutter.

Und ruck zuck sind die ersten 11 km auch schon rum. Meine Beine waren soweit in Ordnung. Jetzt hatten wir mehr als die Hälfte geschafft! Toll, jetzt wurden die km immer weniger.

Da ein Läufer-T-Shirt mit der Aufschrift „W A R U M?“ Das kann jetzt nicht wahr sein. Das Gedankenkarussell ging los. Warum? Keine Antwort! So was gehört doch verboten!

Es ging weiter über die Ottostraße zurück nach Karlsruhe. Wieder durch die Ludwig-Erhard-Allee, diesmal direkt durch das neu angelegte Viertel. Was das für ein Stadtteil wäre, fragte mich jemand von hinten.

Das ist die Oststadt, das Bankenviertel antwortete ich, Blockhäuser hier und da und alles recht teuer. Leben am See, ist das wohl, meinte er, ja aber künstlich angelegter See ein anderer.

Wir bewunderten die Architektur der Volksbank und der LBBW Bank. Gingen hier unsere Steuergelder hin? fragte jemand. Nein, nein nur die EU-Gelder zur Bankenrettung ein anderer. Jemand lacht. Na, ich glaube nicht, dass man das so einfach auf einen Nenner bringen kann. Aber solche Bauten sind bei einer eklatanten Wohnungsknappheit immer schlecht zu erklären.

Beim schönbrunner gelben Karlsruher Schloss waren es 15 km und man kann rechts und links beim Schloss abschlagen. Die Revolutionsfahne flatterte im Wind und lässt schön grüßen. Baden lässt sich nicht unterkriegen auch 100 Jahre nach der Badischen Revolution nicht. Wir streiten immer, wer zuerst dran war mit der Revolution, die Pfalz oder Baden. Zuerst kamen die Franzosen 14.07.1789  mit ihrer Sturm auf die Bastille dran, dann die Pfälzer mit dem Hambacher Schloss am 01.05.1832 und nicht die Badener, die waren eigentlich etwas spät dran, etwas sehr spät finde ich, bei denen ging die Revolution erst im November 1918 los! Da waren sogar die Russen schneller.  Also die Pfälzer waren die früheren Revoluzzer! Das muss man einfach an dieser Stelle mal in aller Deutlichkeit sagen!

Dafür wurden mittlerweile meine Beine immer schwerer, wahrscheinlich hatte mir jemand unterwegs Bleimanschetten an die Beine geschnallt. Aber noch trappte ich munter weiter.

Bei km 16 ließen wir das Schloss hinter uns und es ranten zurück  Richtung Ziel, am Palais des Bundesgerichtshofes vorbei. Jetzt ist es mit Zaun und Stacheldraht umzäunt – hatten die früher bei der RAF nicht. Aber heute – soll mal einer Verstehen. Dann ging’s Richtung Beiertheim, wo die Fischer wohnen. Wenigstens stehen dort die schönen alten Fachwerkhäuser, echt tolle alte Häuschen.

Die Leute an der Strecke waren einmalig und einmal sagen die auf das Lied „Guantanamera“ den Text:

„Es sind nur 2 km, es sind nur 2 km,

es sind nur 2 km – oder 22!!“

So was das motiviert aber gar nicht. Und das bei km 19! Die Bemerkung über die 22 km galt wohl den Marathonläufern. Meine Beine sind mittlerweile schwer wie Blei. Schritt für Schritt geht es weiter, jetzt leider nicht mehr sooo schnell.

Dann immer wieder die Schilder die hochgehalten werden.

„Du schaffst das!“ – oder so ähnlich.

Ein richtiges Volksfest entlang der Strecke.

Jetzt noch einen Endspurt? Klar, aber dann bitte ohne mich oder mit neuen Beinen!

Kurz vorm Ziel dann, ich dachte ich schaffe es nicht mehr. Ich hatte dass Gefühl, das die Muskeln nicht mehr wollten, das sich die Muskeln verhärteten. Das Schlimmste für einen Läufer!

Ich rannte dann etwas langsamer, etwas extrem langsamer. Die Geher konnten mich leicht überholen, aber es hat keinen Sinn. So als hätte man Blei an den Füssen. Irgendwie gings dann doch wieder.

Dann die Zielgerade!

Die Leute auf den Rängen schauten runter, manche klatschen, aber irgendwie war da keine Stimmung. Also ich die Hände hoch und probiere die Leute zu motivieren, machte das Victory-Zeichen. (V aus Zeigefinger und Mittelfinger) und ein Zeichen zu den Zuschauern, dass die sich bewegen sollten und plötzlich wachsen dir Flügel und genauso bin ich mit einem schnellen Tempo ins Ziel gerannt.

Natürlich viel zu schnell! Nachdem Ziel konnte ich nicht sofort anhalten – der Kreislauf. Aber der Runers-Heaven war mal wieder super schön ausgestattet.

Wir hatten unser Ziel erreicht – keinen Schritt gelaufen, dafür glücklich und am nächsten Tag Muskelkater was das Zeug hält – egal die Glückshormone überwiegen! Nächstes Jahr wieder? Bestimmt!

Ziel: Halbmarathon – die Befindlichkeit, der Laufplan, das Training, ich bin ausgezählt.

Heute morgen bin ich wie immer ziemlich früh aufgestanden, dann ein Blick in den Spiegel und du siehst die ganze Wahrheit darin, nicht dass ich gefeiert hätte, nein – eher das Gegenteil ich habe gut und fest geschlafen und trotzdem: Ich dachte es haut mich um, knallrote Backen, und glasige Augen (nicht vom Trinken), leichtes Kratzen im Hals und immer dieses Frieren, dann war auch noch die Nase zu.

Kurz gesagt, eine Erkältung ist im Anmarsch. So kurz vorm Halbmarathon, das ist einfach nicht gerecht! Das ist echt das Letzte, was ich jetzt brauchen kann!

8 Tage vor dem Halbmarathon – ja der count down läuft, ich bin ausgezählt. Und jetzt Halsschmerzen. Rote Backen – sehe ein bisschen dem Kind auf der „Rotbäckchen-Flasche“, ähnlich. Lippen sind fast schon ins bläuliche übergehend. Schöner Mist.

Vielleicht ist die Grippe bis zum Start des Halbmarathons dann wieder am Abklingen, heißt ja 3 Tage kommen, 3 Tage stehen und 3 Tage gehen, könnte also gerade so passen, dass diese Erkältung vorbei ist.

Laut meinem Laufplan steht morgen früh wieder eine längere Strecke an – wie immer am Wochenende. Mein Laufplan ist eigentlich ganz einfach auf einen Nenner zu bringen:

Immer laufen – auch wenn eigentlich keine Zeit dafür da ist, also:

 

  • Kinder vernachlässigen und Joggen.
  • Haushalt vernachlässigen und Joggen.
  • Nix Kochen, sondern Joggen
  • Mann vernachlässigen und Joggen.
  • Garten einfach alles Wachsen lassen und Joggen.
  • Hund vernachlässigen und Joggen.

So sieht mein Laufplan aus, kann nichts mehr schiefgehen und jetzt diese dicke Erkältung!

Ich habe dann mal probiert mit meiner App zu laufen. Die sagt ganz genau, was man tun und lassen soll, wieviel man Essen soll und wieviel Kalorien man verbrannt hat. Hab sie erst leise gehabt, dann angehalten, dann wieder was anderes eingestellt, kurz und gut eigentlich bin ich nicht so recht vom Fleck gekommen.

Dann fing mein Handy an zu reden, zu reden, während ich laufe! Eine nette weibliche Stimme machte mich mehrfach darauf aufmerksam, dass man mit etwas größeren Schritten sein Lauftempo erhöhen könnte – echt wäre ich im Leben nie darauf gekommen!!!

Das Froilein Rennwunder in meinem Handy wusste ja richtig viel! Aber vor allen Dingen konnte die ganz schön nerven. Habs ausgemacht und bis heute nicht mehr an und mich nicht weiter darum gekümmert. (Würd’s am liebsten in die Ecke kicken, aber dann ist wohl auch mein Handy futsch)

Dann hatte ich eine Trainingslauf, da hatte es wohl ein Mercedesfahrer auf mich abgesehen, bin dann auf die Seite gesprungen, aber echt, konnte der nicht langsamer fahren?

Kommt der mir mit einem Affenzahn in einer engen kurvigen Gasse entgegen, ein Sprung ich glaube der rettete mir das Leben. Man man man als Joggerin lebt man doch ganz schön gefährlich!

Aber eine Woche später wurde ich beim Joggen auch belohnt! Sah ich da zwei Rehe in der Sonne spielen und durch die Gegend springen – Kinder ich sag euch, dann weiß man doch gleich wieder warum das Leben so schön sein kann. Morgens raus und hoffen, dass man noch ein paar Wildtiere sieht und dann sieht man die auch, fast wie ein kleines Wunder, das Leben kann auch mal gerecht sein.

Oder den Ausblick oben auf dem höchsten Punkt von Herxheim – unbezahlbar. In der Ferne Karlsruhe sehen und auf der gegenüberliegenden Seite den Haardtrand! Das belohnt dann für alles.

Die Woche vor dem Halbmarathon wird jetzt nicht mehr soviel gerannt, damit die Muskulatur nicht ausgelaugt ist, sondern ausgeruht und aufgebaut. Ich will nur noch am Mittwoch einen kleinen Lauf machen, das sollte machbar sein.

 

Ja und dann wird gestartet. Abends zuvor essen wir auf der Laufparty Maultaschen und Kartoffelsalat, aber ich glaube Kartoffelsalat ist nicht so ideal fürs Laufen. Morgens in aller Herrgottsfrühe geht’s los. Was soll man vor dem Halbmarathon essen? Gute Frage, vielleicht noch gar nichts? Wir haben uns auf ein Toastbrot mit Honig und eine Tasse Kaffee geeinigt. Ziemlich spartanisch – gell.

Dann soll ja auch noch ein Hurrikan am 23.09. kommen. Hört sich ja interessant an – was das wohl wird.

Ich hoffe sehr auf Rückenwind.

 

 

Ziel: Halbmarathon – wer kommt mit?

 

Ich soll etwas über das Joggen schreiben, irgendwas witziges, meint meine Laufpartnerin.

Nun joggen ist erstmal tatsächlich irgendwie langweilig.

Man rennt so vor sich hin:

rennt,

schnauft,

rennt,

schnauft.

Vielleicht rennt man dabei vor was weg, wer weiß. Man rennt auf jeden Fall seinen Gedanken hinterher – aber die kann ich hier nicht schreiben – Top secret!

Was kann man übers Joggen schreiben? Das man wieder ein klitzekleines bisschen schneller war, wie beim letzten Lauf? Interessant ist das aber nur für den Läufer selbst.

Meine Leser mitnehmen zu meinen Vorbereitungen zum Halbmarathon, das scheint mir wesentlich informativer.

Das Ganze fing so an: Irgendwann fand ich mich zwischen zwei Jobs wieder, der erste war gerade fertig, der zweite noch nicht richtig  am Laufen.  Deshalb hatte ich Zeit ohne Ende – kannte ich ja fast 2 Jahre nicht mehr. Einfach nichts tun – war schon komisch.

Was sollte ich mit der vielen zur Verfügung stehenden Zeit anfangen? Also absolvierte ich täglich einen 5 km-Lauf  und das tat richtig gut! Und dann die Idee, wenn ich schon so viel lief, musste das ganze kanalisiert werden – also in eine Reihe, in eine Richtung gebracht werden, auf ein Ziel zuführen.

Der Halbmarathon in Karlsruhe – genau! Das war’s. Jetzt kostet die Anmeldung
„nur“ 40,00 € – ab nächster Woche sind das schon 50 €! Schnell Handy her und abgeschickt – das ging rucky-zucky. Schneller als man denken kann. Und spät abends macht man ja so manche Dummheit…. –  nicht nur am Computer – eventuell auch am Handy. So jetzt war ich erstmal angemeldet.

Vor  11 Jahren bin ich die 21 km auch schon mal gerannt. Damals rannte ich allein, d.h.  auf der Strecke rannte ein unbekannter, junger Mann mit mir mit, das war eigentlich richtig nett, wir unterhielten uns über alles mögliche. Er wäre auch verheiratet, hätte soundsoviele Kinder. Wir verglichen uns und lästerten über die Verpflegungsstellen, sollen wir hier wirklich kurz anhalten und etwas trinken, schau mal die lassen ihr Wasser durch die alten Feuerwehrschläuche laufen, besser weiter rennen.

Ich weiß also was auf mich zukommt und ich weiß auch, dass ich es schaffen werde.

Trotzdem fragte ich so im Bekanntenkreis rum, wer Lust hat mitzumachen. Mein Mann wollte nicht, er sei jetzt nicht so im Training, (ich glaube er ist nie im Training) schade. Dann eben ein Bekannter von früher, leider  sagte der mir auch ab, das Alter und ab
km 10 hätte er Probleme mit den Knochen und den Muskeln. – Auch nix.

Dann meine Lauffreundinnen, nein die wollten auch nicht.

Dann meine Eltern (74 und 80 Jahre).

Ja, sagte meine Mutter – gute Idee – wir trainieren zusammen und sie wollte auch den Halbmarathon  mit mir rennen, sie freue sich sogar schon darauf.

Das ist doch sehr nett von meiner Mutter.

Aber das sind wieder so Sachen, die glaubt dir niemand. Was deine Mutter rennt mit?
Ja wie alt ist sie denn? Auch  schon 74 Jahre! Das glaub ich jetzt nicht! Hieß es im Kollegenkreis. Ich wusste es, das nimmt dir niemand ab.

Dabei kennt meine Mutter ein paar schöne Wegstrecken.

Gleich zu Anfang fragte sie mich, ob ich mitrennen wollte die Strecke rauf zur Kalmit, sie würde das am Mittwoch machen. Oh, Mama, sagte ich, eigentlich wollte ich nur den Halbmarathon laufen und nicht für einen Berglauf trainieren. – Ich denke das reicht.

Das muss man sich mal vorstellen, läuft meine Mutter mit ihren 74 Jahren hoch auf die Kalmit und wahrscheinlich schneller als ich – möchte mir ganz ehrlich gesagt, diese Blamage ersparen!

Meinen Vater haben wir als Pacemaker eingeplant, also als Tempomacher (feiert ja nächstes  seinen 80 Geburtstag!) er holt uns auf den letzten 5 km ab und motiviert uns noch. Das ist total wichtig um eine gute Zeit zu laufen.

Aber so wichtig ist mir mein Lauftempo  eigentlich gar nicht mehr. Viel netter finde ich das ganze Brimboriumum um den Halbmarathon, die Vorbereitung, das Training, etc. und schließlich der Spaß bei der Sache. Das Laufen sehe ich nicht mehr so bierernst. Hauptsache wir kommen durch bis zum „Läuferheaven“ und das ist sowieso das Wichtigste. Ich denke mir noch einen netten Spruch für den Zieleinlauf aus. Das wird dann ein Fest. Vielleicht kommt ja ein ganz kleiner Fan-Club im Zieleinlauf zustande, ich hoffe doch.

Auch im Betrieb habe ich ein paar Kollegen gefragt. Den dicken Stefan, der nach 4 Schritten immer stehen bleiben muss, ob er Lust hätte mitzurennen: „Äh, dir hinterher?“ „Ja, machst doch eh die ganze Zeit schon?“ grinste ich, er schnaufte, ging wieder mehrere Schritte und blieb dann stehen. „Nee, nee, ich bin außer Kondition!“ „Hattest du mal in deinem Leben bessere Trainingskonditionen gehabt?“ fragte ich verwundert.

Er kontert: „Aber beim gemeinsamen Duschen, da bin ich gerne bereit dich einzuseifen!“

Ich musste lachen: „Du“ – sagte ich, „mich seift keiner mehr ein – die Zeiten sind vorbei!“

 

Die 1000 Arten wie ich ein Auto anmachen kann

Letztens habe ich Euch erzählt, wie der Tankwart ohne meine Hilfe mein kleines Auto trotz niedriger Batteriespannung wieder anbekommen hat. Seine Methode geht bei kleinen Autos. Aber was macht man bei einem großen SUV?

Da wir wieder von keiner Peinlichkeit verschont bleiben, passierte uns dies auch.

Der Mitsubishi Outlander meines Mannes wollte nicht mehr. Es war Sonntags, klar konnte nicht einfach ein Werktag sein? Nein es war Sonntag – keine offenen Werkstätten nichts was einem weiterbringt.

Alle sollen rauskommen und das Auto anschieben.

„Ach ja? Ich soll dein Auto anschieben? Dann sitze ich aber drin!“

„Wäre aber besser, wenn du, Landro und Martin anschieben würden, ich brauche jeden Mann!“

„Mich dann nicht.“ grinse ich.

„Komm, besser wäre es, wenn du auch schieben könntest.“

Na, dann sind wir halt nicht so. Es war ein schöner heißer Tag, andere gehe da ins Schwimmbad, wir schieben mit der ganzen Familie den SUV meines Mannes an, er sitzt drin!

Gibt es eine schönere Freizeitbeschäftigung? Solche Aktionen fördern ungemein den Gemeinschaftssinn – man muss es sich nur lange genug einreden.

Einmal die Straße den Wagen rückwärts runter geschoben, dann Anlauf genommen und dann den Wagen mit Karacho angeschoben – klar große Autos muss man mit Schwung anschieben. Aber es rührte sich nichts.

„Noch mal!“ vernahm ich die liebliche Stimme meines Mannes.

Uns tropfte der Schweiß von der Stirn, die Hemden und T-Shirts klebten uns vor Hitze auf der Haut fest. Ich kam mir schon ein bisschen vor wie Ben Hur auf der Sklavengaleere. Aber man macht das alles ja aus Liebe.

Nochmals den Wagen die Straße rückwärts runter geschoben und wieder mit viel Elan und Schmackes im gestreckten Galopp hoch geschoben. Es ist dann immer toll, wenn irgendeiner vorne auf die Bremse kommt. Ich hing fast in der Heckscheibe, wenn ich nicht so klein wäre.

„Oh tut mir leid.“ kurzer Kommentar meines Manns.

Der muss da drin Lenken, der hat bei der ganzen Geschichte ja mehr Verantwortung – wir sind  nur das arbeitende Volk. Wir haben nur Befehle auszuführen.

„Ich mach das nicht mehr!“ Plötzlich begehrt die schwitzende arbeitende Bevölkerung auf.

„Och bitte, nur noch einmal!“ Bettelte mein Mann, wahrscheinlich gefällt es ihm im großen Wagen herumgeschoben zu werden, kommen da etwa Kindheitserinnerungen auf, war da nicht mal was mit Kinderwagen und geschoben werden? Schlafen doch alle Kinder friedlich ein!

„Na gut,“ ließ ich mich breitklopfen, „aber nur noch einmal! Ich mache mich hier nicht zum Hirschen. Man, wenn das die Nachbarn sehen, die denken doch auch, ach nette Familie Schmid…..“

„Okay wir machen die Aktion genau dreimal – aller gute Dinge sind drei!“

„Und dann?“

„Es gibt da noch eine andere Methode mit Seil!“

Mit Seil, denke ich noch? Wahrscheinlich ziehen wir dann den Wagen mit dem Seil? Wieder so eine Sklavensache?

Aber auch beim dritten mal – kein Erfolg.

„Ich gehe jetzt rein, mich abduschen.“ sage ich noch, da meint mein Mann, er bräuchte mich noch fürs Auto?

„Darf jetzt ich fahren?“

„Ja, aber das kleine Auto!“

Plötzlich hatte er ein Abschleppseil in der Hand – war wohl alles schon von langer Hand vorgeplant – das band er geschickt an mein kleines Auto, dann an sein Auto.

„Das funktioniert nicht!“ sagte ich dann auch, „wie soll das gehen, mein kleines Auto soll den großen SUV anschmeißen? Kannst de abhaken, das wird nichts!“

„Bitte nur einmal!“ probierte er mich rumzukriegen.

„Na gut, einmal und dann geht’s zum Mittagessen – ich habe Hunger!“

Ich setzte mich ins kleine Auto. Er gab noch ein paar Befehle:

„Langsam Gas geben,  ganz laaangsammm Kupplung kommen lassen und auf gar keinen Fall bremsen!“

Als ob ich das nicht alles schon wusste. – Mach ich doch bestimmt täglich, irgendwelche Autos anziehen.

Ich fuhr los, das Seil spannte sich, jetzt wird es gleich reißen, dachte ich noch, wie in den Pleite, Pech und Pannen-Videos und das Seil zerschlägt mit das Heckfenster.

Doch welch ein Wunder, brumm, brumm ein Motorgeräusch vom hinteren Fahrzeug. Es hatte funktioniert!

Ich habe mit dem kleinen Auto das große Auto angezogen, also durchs Fahren wurde der Motor des großen SUV in Gang gebracht.

Tolles Gefühl.

Was mein kleines Auto so alles kann!

 

 

 

 

Beim Einkaufen

Ich ging gerade an der Kühltheke an dem Jogurt und Käse etc. platziert ist vorbei, als von hinten ein junger Mann angerannt kommt und vor mit niederkniet!  – Ich denke noch, versteckte Kamera und schaue mich um. Nix.

„Aber Sie brauchen mir hier keinen Heiratsantrag zu machen, junger Mann, ich bin schon verheiratet und ich kenne Sie auch gar nicht!“ Er schaut hoch.

„Nee, ich muss was wegwischen.“

„Huch,“ sage ich, „da wäre ich aber fast reingetreten.“

Hat da ein kleines Kind auf den Boden Jogurt verteilt – hatte ich gar nicht gesehen.

Er stellt sich wieder und er ist bestimmt zwei Köpfe größer als ich.

„Na, hast du hier einen Studentenjob?“

„Nee“ sagt er, war wohl ein bisschen schüchtern.

„Ach, dann machst du hier eine Ausbildung?“

„Ja“ – wirklich ziemlich einsilbig.

„Ach das ist hart, ich meine das ist körperlich schwere Arbeit im Einzelhandel.“

Wieder kommt nur ein kleines „Ja“. – Obwohl der Kerle echt groß ist und man immer meint, die Großen hätten doch mehr zu sagen.

„Aber mit so netten Kundinnen wie zum Beispiel mich, geht der Tag bestimmt schnell rum.“

„Ja“. – lächelte er und ging fort.

Wenigsten konnte ich ihm ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

 

So jetzt ging’s zur Käsetheke.

Dort wurde mir schwarzer Käse angeboten, d.h. man muss jetzt immer fragen, ob man was vom Probierteller bekommt, da kommt man (frau) nicht mehr so einfach dran. Verstehe ich gar nicht, ich habe den Teller immer gründlich leergegessen. So wie sich das gehört.   –  Echt schade.

Also stand ich an der Käsetheke, habe auch brav ein paar Angebote gekauft und verlangte dann ein Stückchen von dem schwarzen Käse. Die Verkäuferin gab mir ein Stück. Schmeckte sehr gut, nach Zitrone, stand so auf der Beschreibung des Käses.

 

Nachdem ich probiert hatte, stellte ich sie zur Rede:

„Was ist denn drin, dass den Käse so schwarz macht?“

Ich dachte da an Tintenfisch, wie bei den schwarzen Nudeln.

„Da ist jetzt Naturasche drin,“ sagte die Verkäuferin mit einer Seelenruhe.

Naturasche, was ist jetzt Naturasche? Und wenn es Naturasche gibt, was wäre dann das Gegenteil? Chemische Asche?

 

Früher brauchte man zum Malen schwarze Farbe, die wurde auch aus Asche hergestellt. Wahrscheinlich auch aus Naturasche – und ich weiß genau, die haben früher die alten Mumien aus Ägypten verbrannt und damit schwarze Farbe gemacht. Wahrscheinlich war das auch Naturasche.

Mir graut es vor dem Käse. Ein Bekannter meint, jetzt geht’s los. Gibt es nichts mehr anderes zu Essen, müssen wir jetzt Käse aus Naturasche essen? Wie dekadent ist das denn?

Ja ist halt wie nach dem Krieg – da aß wir  auch so Zeugs. –

(Ok sooo alt bin ich jetzt nicht, aber irgendwie passt der Spruch.)

Also ich glaube ich brauch das nicht.